#WritingFriday – August No. 4

Heute ist dann denn auch schon der letzte Augusttag und morgen ist bereits September! Dieses Jahr ist für mich irgendwie so schnell vergangen wie kein anderes zuvor… Aber ich will hier keine melancholischen Vibes verbreiten, also schnell zum heutigen Thema (alle anderen und die Regeln sind hier zu finden):

 

Beschreibe einen Tag im Leben einer Plastikflasche.

 

„Schatz, wir brauchen noch Wasser! Kannst du einen neuen Kasten mitbringen, bevor du Liliane von der Schule abholst?“

Und… da geht dann auch die Zeit in dieser Gastfamilie zu Ende…

„Wieso? Schon wieder alle? Und warum überhaupt Wasser kaufen… Unser Leitungswasser ist doch auch gut?“

Ja, das denke ich aber auch, deshalb wurde ich wahrscheinlich so oft nachgefüllt.

„Nein, ich hätte aber gern wieder Sprudelwasser.“

Ach, die hat doch keine Ahnung… Wieso Sprudelwasser? Davon bekommen sie doch eh nur Schluckauf und müssen aufstoßen? Außerdem trage ich jede Flüssigkeit mit Stolz! Egal, ob es nun Leitungswasser, Saft oder Tee ist. Zumindest, wenn dieser schon etwas abgekühlt ist, kümmere ich mich sogar um den. Ich habe meine Arbeit immer gewissenhaft erfüllt.

„Außerdem habe ich die letzte alte Flasche jetzt schon so oft wieder aufgefüllt, dass das Wasser daraus immer schon ganz muffelig schmeckt.“

Wie bitte? Das Wasser aus mir muffelig?! Was bildet sich die alte Schachtel eigentlich ein? Einmal kurz ausgespült und ich wäre so gut wie neu! Mein Wasser schmeckt nicht muffelig und ich bin es schon gar nicht!

„Meinetwegen, dann hole ich neuen Kasten und bringe die alten Flaschen gleich zur Leergutannahme.“

Eine kalte Hand schließt sich um mich, entreißt mir die paar letzten Schlucke H2O, die ich immer noch mit Achtsamkeit in mir getragen habe, und schmeißt mich dann lieblos in den Korb zu ein paar meiner kleineren 0,5-Liter-Geschwistern. Wir blicken uns traurig an und ich knacke niedergeschlagen mit meinem Bauch.

Im Auto auf dem Weg zum Supermarkt ist es seltsam still. Alle fühlen wir uns so leer, vorher hat das abgefüllte Wasser immer noch so herrlich in uns gegluckert. Aber jetzt ist diese Stille dermaßen erdrückend, dass wir es alle nicht wagen uns zu rühren.

Der Scanner kitzelt auf meinem Rücken, ein altbekanntes Gefühl. Ich werde wieder durch die enge, schmutzige Röhre einer Leergutannahme befördert und seufze dabei schwer. Jedes Mal wollen mich meine Besitzer wieder so schnell loswerden. Was stimmt nur nicht mit uns? Sind wir ihnen nicht gut genug? Wissen sie eigentlich, was das für eine Tortur ist, immer wieder als Mehrwegflasche wiedergeboren zu werden? Vielleicht sollte ich doch das Fach wechseln und mich zu einer Hartplastiktrinkflasche umschulen lassen… Dies bedürfte zwar ein paar chirurgischen Eingriffen, aber dann könnte ich meinem haltlosen Vagabundenleben endlich Einhalt gebieten.

 

Ein Gedanke zu “#WritingFriday – August No. 4

  1. Arme kleine Flasche! Ich hab sowieso nie verstanden, warum sich irgendjemand die Mühe macht, Wasserflaschen zu kaufen, nach Hause zu schleppen und die Pfandflaschen wieder zurückzubringen. So ein Aufwand. Stattdessen könnte man auch einfach Wasser aus der Leitung trinken. Na, wenigstens wurde diese kleine Wasserflasche recycelt, da hat sie zumindest mehr Glück gehabt als mein armer Flaschensoldat :’D

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s