#WritingFriday- August No. 3

Ein weiteres Ende der Woche, ein weiterer Writing Friday. So langsam beginnt die Luft nach Herbst zu riechen, der Kalender schleicht auf den September zu… Wie ich mich schon darauf freue! Aber noch ist August (alle Schreibthemen dazu findet ihr hier) und heute habe ich mir dieses Thema ausgewählt:

 

Schreibe eine Geschichte zu folgender Situation; Du betrittst einen schummrigen, alten Laden und kaufst …(Platz für eigene Idee)… dafür wirst du dann aber verfolgt.

 

Ich schleiche vorsichtig durch die Wälle aus Regalen. Unter meinen Schuhen knirscht der Staub auf den stumpfen Fliesen, Staub tanzt einen sanften Reigen im schalen Sonnenlicht, welches durch die Fenster des kleinen Esoterik-Ladens fällt.

Mehrstimmiges Klimpern und Klirren erfüllt die Luft, als eine Windböe durch den Laden fegt und die Windspiele und Traumfänger hin und her schaukeln lässt. Ups, ich hatte vergessen, die Tür wieder richtig zu schließen und haste schnell zum Eingang, um das Holz dieses Mal fest ins Schloss einrasten zu lassen.

Erneut begebe ich mich auf einen kleinen Rundgang durch das Geschäft und lasse, mit etwas Überwindung, das Kleinkram und Klimbim wie Edelsteine, Ketten, Pendel und Anhänger links liegen, streife mit den Fingerspitzen kurz über die bunten Seidentücher und schnuppere an neuen Essenzen bei den Räuchermischungen. Wie es so oft beim Shoppen ist, auch in solchen Läden, vergisst man nach einer Weile, warum man überhaupt erst eingetreten ist.

Als ich schließlich vor den Bücherregalen angekommen bin, fällt es mir aber wieder ein. Ein neues Kartendeck, das wollte ich besorgen. Furchtbar, wie groß selbst in dieser Nische schon das Angebot geworden ist. Engel, Tiere, Göttinnen, Schamanen, indische Götter; ja, wer kann mir denn jetzt am besten dabei helfen, den Nebel, welcher über meiner Zukunft hängt, wenigstens ein bisschen zu lichten?

Ich habe den Kopf schräg gelegt, um die Auslage zu studieren. Aber je länger ich überlege, desto unentschlossener werde ich und will aus Trotz schon fast zurück zu den Pendeln gehen, die sagen einem wenigstens direkt Ja oder Nein. Vielleicht kann ich ja damit auch gleich auspendeln, für welches Deck ich mich entscheiden sollte, das wäre doch gleich mal Esoterik praktisch beim Shoppen angewendet, dann kann ich das beim Klamotten- und Lebensmittelkauf auch benutzen, haha…

Leicht schüttele ich den Kopf und dabei fällt mein Blick auf eine Packung weiter rechts. Dunkelblau, unauffällig, im Regal nach hinten geschoben, zwischen einigen Tarotkarten versteckt. Ein Deck namens „Lenormand“, welches mich mit seinen mystischen Illustrationen und der Katze auf dem Cover sofort neugierig macht. Kurzentschlossen trage ich den kleinen Karton zur Kasse und warte dort.

Ein demotiviert dreinschauender junger Mann schlurft hinter einem roten Vorhang hervor und scannt die Ware, ohne dabei hochzuschauen. Erst, als ich ihm mein Geld hinhalte, treffen sich unsere Blicke und nun sieht er ziemlich verwirrt aus. Ich nehme unverwandt Wechselgeld und Kartendeck entgegen, verabschiede mich knapp und verlasse den Laden. Ich bin es ja gewöhnt, dass nicht jeder etwas mit dieser Thematik anfangen kann, aber wenn er schon in so einem Geschäft arbeitet, wieso hat er mich dann so komisch angesehen?

Grübelnd laufe ich durch die Innenstadt, lasse mich von mir selbst überreden und gönne mir schließlich in einem Café noch ein Stück Kuchen. Währenddessen blättere ich durch das Kartendeck, bewundere die zarten Zeichnungen und lese mich schon etwas in die Benutzung ein, als sich auf einmal eine Wolke vor die Sonne schiebt. Ich sitze im Schatten, aber war der Himmel nicht eben noch azurblau und wolkenlos?

Das ist keine Wolke, was sich da vor die Sonne geschoben hat. Es ist der Verkäufer aus dem Esoterik-Laden, welcher auf einmal vor meinem Tisch aufgetaucht ist und finster auf mich hinabblickt. Ist er mir etwa gefolgt?

„Hi, kann ich etwas für dich tun?“

Ich versuche, ein Gespräch aufzubauen.

„Du hast doch das Lenormand Kartendeck gekauft, oder?“

„Öhm, ja, du hast mich ja auch bedient…“

„Funktioniert es bei dir?“

„Wie bitte? Das kann ich doch jetzt noch nicht sagen?!“

Ich ziehe misstrauisch das besagte Kartendeck ein Stück zu mir und beginne, die Karten wieder einzupacken.

„Kann ich mich setzen?“

Eigentlich ist mir das gar nicht recht, aber ich möchte nicht unhöflich sein und zucke nur mit den Schultern. Der Verkäufer von vorhin lässt sich neben mich plumpsen.

„Bei mir klappt es nicht… Ich habe schon so vieles ausprobiert. Das Kartendeck war meine letzte Hoffnung. Meine Schwester führt den Laden und sie sieht beim Kartenlegen immer so viel, was dann meist auch eintritt. Sie kann tun was sie will, sie ist anscheinend hellsichtig… Aber auf mich hat das nicht abgefärbt. Ich kriege das nicht hin.“

„Daran kannst du doch nicht rational herangehen. Man kann sich das nicht antrainieren, man kann nur versuchen, mehr zu vertrauen und den Verstand mal nicht alles beherrschen zu lassen.“

„Du bist doch auch noch jung und ungeschult wie ich? Klappt es etwa bei dir besser? Und wenn ja, warum?!“

„Was soll das? Ich führe doch keine Statistik, wie gut oder schlecht das klappt? Aber ja, meist passt es. Aber ich mache das noch nicht lange allein und es hat gedauert, bis ich das nötige Vertrauen dafür hatte…“

Ich packe irritiert meine Sachen zusammen und stehe auf.

„Wenn du mich entschuldigen würdest, ich muss jetzt los. Ich wünsche dir noch einen, äh, angenehmen Tag.“

Dann drehe ich mich um und höre und sehe dann nichts mehr von dem Fremden.

Die Sonne, immer noch klar, aber schon etwas müde am spätsommerlichen Himmel, blendet meine unbedeckten Augen und lässt mich die Umrisse der Menschen und Häuser vor mir nur noch verschwommen sehen. So verhält es sich mit den Karten auch. Sie verhelfen einem zu einer etwaigen Ahnung über das, was noch kommen wird. Die genaue Zukunft bleibt derweil das große Mysterium, immer noch eines der größten der Menschheit.

4 Gedanken zu “#WritingFriday- August No. 3

  1. Hey Alina,
    finde es klasse, wie du eine unterschwellige Spannung eingebaut hast, diese am Ende aber verpufft, weil der Verkäufer kein Monster oder aus einer anderen Welt ist, sondern eben nur ein Typ, der gerne Kartenlesen können möchte. haha
    Ich habe mich sehr über mich amüsiert, als ich am Ende ausgeatmet hatte und erst merkte, dass ich angespannt war! 😀
    Früher fand ich so Kartenlesen sehr interessant. Bei mir hat mal eine Frau das Pendel befragt und mir gesagt, ich könnte keine Kinder bekommen. Dann war sie ganz betreten, weil sie mit diesem Ergebnis nicht gerechnet hatte. Sie überlegte hin und her und fragte mich, ob ich die Pille nehmen würde. Ich bejahte und sie antwortete mir erleichtert: „Daran wird´s liegen. Das Pendel weiß das!“ hahahaha 😉
    Spoiler: Hab heute 2 Kids.
    GlG, monerl

    Ich habe mich HIER heute meinem Bücherregal zugewendet. Freue mich auf deinen Besuch!

    Gefällt 1 Person

  2. Hallöchen monerl,
    deine Beobachtung an dir selbst während des Lesens finde ich sehr interessant. 😀 So ungefähr war auch meine Intention… Denn zu dem Thema gibt es schon so viele tolle fantastische und mysteriöse Umsetzungen, also dachte ich mir, dann gehe ich einfach in die komplett andere Richtung und schreibe etwas, was mir so im Alltag tatsächlich passieren könnte. ^^

    Haha ja, die Esoterik ist da ziemlich eigen! 😀 Man muss genau aufpassen, wie man eine Frage oder einen Wunsch formuliert und das Unterbewusstsein, bzw. Angst und Zweifel lassen da mal schnell etwas nicht funktionieren. ^^ Ich selbst glaube besonders in letzter Zeit auch oft, die wollen mich alle verschaukeln. xD
    Aber umso schöner, dass du nun doch stolze Mama bist. 🙂

    Liken

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