#WritingFriday – Juli No. 1

Durch den Blog Bücherbombe (vielen Dank, meine Gute ^^) bin ich nun auch auf das Projekt des Writings Fridays gestoßen und obwohl es schon läuft, möchte ich mich diesem nun auch anschließen. Bekanntlich besser spät als nie, nicht wahr? Noch ist der Juli ja nicht zu Ende und so fange ich mittendrin an.

Das Projekt besteht ganz simpel gesagt daraus, dass jeden Freitag veröffentlicht und natürlich zuerst einmal geschrieben wird. Jeden Monat gibt es bestimmte Themen, an welche sich gehalten wird, aber die Reihenfolge, in welcher man diese durchgeht, ist jedem selbst überlassen. Für jemanden wie mich, der zwar nicht direkt schreibfaul ist, aber häufig von kleinen Schreibblockaden heimgesucht wird, ist dies natürlich ein guter kleiner Anstoß. 🙂 Falls ihr an dem Projekt interessiert seid, der Link oben führt euch zu neuen Ufern.

 

Thema: Dein Schreibtisch erzählt aus seinem Alltag.

 

Ich würde sagen, unsere Beziehung besteht aus einer Art Hassliebe.

Facebook Beziehungsstatus? – „Es ist kompliziert.“… Wohl eher, es ist unordentlich.

Instagram Story? – Darin landen natürlich nur die Bilder, auf denen ich perfekt aussehe, versteht sich. Meine weiße Tischplatte blank gewischt, die Blechdosen mit Stiften, Markern und Schere, die Notizzettel und Bücher in perfekten Winkeln zueinander ausgerichtet, die Lampe windet sich in einem satten Bogen über mir, ein paar sanft leuchtende Lichterketten an der Wand neben mir… Sieht so schon ganz schön aus, kommt aber meiner Besitzerin in Abendkleid, High Heels und rotem Lippenstift gleich: absolut nicht alltagstauglich. Und absolut unrealistisch.

Auf mir wurden im Laufe der Jahre schon so viele Etagen an Utensilien aufgeschichtet, die teilweise nicht mal ansatzweise etwas mit meiner eigentlichen Aufgabe zu tun hatten, dass es ein Wunder ist, dass ich nicht bereits einen Hexenschuss entwickelt habe. Auch mit den vollgestopften Schubladen, in denen selbst für Instagram-Story-Bilder nicht aufgeräumt wird, habe ich schwer zu schleppen. Der Jüngste mag ich vielleicht nicht mehr sein, aber ich bin treu! Und zuverlässig! Und stehe mit beiden Holzseiten fest im Leben!

In manchen Phasen darf ich mich über eine besonders intensive Zuneigung seitens meiner Besitzerin erfreuen. Dann schaufelt sie mich mit Büchern und Heftern voll, es gesellen sich immer mehr Teeflecken auf meine Tischplatte und dazwischen durchaus auch ein paar Verzweiflungstränen und Notizzettel, welche sie in ihrem eigenen Chaos verlegt. Wie oft hat sie mich schon angemeckert, dass ich zu klein sei, aber dass sie vielleicht einfach mal weniger Kitsch auf mir platzieren sollte, kommt ihr nicht in den Sinn… Allein, wenn sie in solchen Abschnitten ihres Lebens aufwacht und mich, wie ich unschuldig schlummernd neben dem Fenster stehe, sieht, legt sich ein entnervter Zug um ihre Lippen. Womit habe ich das eigentlich verdient…?

Besonders in diesen schweren Zeiten stehe ich ihr aber natürlich trotz allem zur Seite, vor allem aber in der Ecke ihres Zimmers herum, warte den lieben langen Tag auf sie, nur damit sie sich in meiner Gegenwart mit den lästigen Pflichten des Lebens beschäftigt: Lernen, Hausarbeiten schreiben, Notizen aus den Vorlesungen abschreiben. Ich würde doch aber so gern alles mit ihr teilen, die positiven und die negativen Dinge, in guten und in schlechten Zeiten! Aber sobald sie diese Arbeiten erfüllt hat, lässt sie mich einfach stehen. Zum Netflix-Schauen bin ich nicht gut genug, da muss dann schon das Sofa und der wackelige IKEA-Tisch her… So ein Schwächling, kippelt hinten und vorn und ist viel zu klein! Aber auf mich hört ja niemand.

Manchmal tippt sie aber auch andere Werke ab, während ihr Laptop auf mir Platz genommen hat. Dann verlässt sie mich oft stundenlang nicht, hat glühende Wangen und starrt wie eine Besessene auf den Bildschirm. Dies sind unsere intimsten Momente trauter Zweisamkeit, wenn sie mir, und ich betone NUR mir, einen kleinen Einblick in ihre sehnsüchtige und leidenschaftliche Schreibweise gibt. Leider kommt dies aber auch nur alle Jubeljahre vor.

 

Und selbst jetzt sitzt sie lieber auf ihrem Bett, anstatt auf dem Stuhl vor mir (der zudem auch viel besser für ihre Körperhaltung und Wirbelsäule geeignet wäre), den Kopf über meine Tischplatte gebeugt, an meiner Seite… So eine Verräterin!

 

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “#WritingFriday – Juli No. 1

  1. Haha, der Text ist echt süß! 😀 Mir ist zu dem Writing Prompt ja absolut gar nichts eingefallen, aber deins ist echt genial geworden. Armes Schreibtischchen will doch nur Liiieeebe! :3
    Das mit der schlechten Rückenhaltung kommt mir auch bekannt vor. Aber man kann es sich auf dem Schreibtischstuhl halt einfach nicht so gemütlich machen wie auf dem Sofa… :’D

    Gefällt 1 Person

    • Ich freue mich, dass er dir gefällt und es dir ähnlich geht, hehe. 😀 Genau, wir wollen doch alle nur Liebe, unsere Schreibtische genau wie alle Menschen auf der Welt. ^^ Mir fiel es zunächst auch schwer, diese Idee anzufangen, aber darin bestand halt auch die Herausforderung, mal etwas nicht gleich Leichtes auszuprobieren. 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Hey,
    durch Zufall bin ich nun hier gelandet! Ist an mir vorbeigerauscht, dass du am #WritingFriday mitmachst…

    Sehr schön, deine Geschichte zum Schreibtisch. Ich sehe schon, auch dein Schreibtisch ist unzufrieden mit seiner Situation. Wir können nur froh sein, dass wir sie haben, diese Schreibtische, die alles ertragen und erdulden. MEINER wollte sich schon wegbewerben. 😉
    GlG, monerl

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s